Münchner Jakobsweg

Wie Schnüre, die sich zu einem Seil vereinen, ziehen durch ganz Europa Wege, die sich in Spanien zu einem einzigen Weg - dem Camino de Santiago - vereinen, der schließlich zum Grab des Hl. Jakobus nach Santiago de Compostela führt.

Auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren etliche alte Pilgerwege wieder erschlossen und markiert, deren zentrale Bedeutung erwiesen ist oder die bereits in mittelalterlichen Reiseberichten erwähnt sind. Die bekanntesten deutschen Pilgerrouten führten in Nord-Süd-Richtung entlang des Rheins oder von Ost nach West über Ulm oder Augsburg zum Bodensee und weiter in die Schweiz nach Einsiedeln.

München liegt etwas abseits dieser großen Routen, dennoch sind natürlich auch von München aus zu allen Zeiten Pilger aufgebrochen oder kamen hier durch. In den letzten Jahren verzeichnet das Angerkloster am Jakobsplatz wieder einen starken Zuwachs an Pilgern, die sich in der Jakobskirche nach Santiago aussenden lassen.

Wie sind wohl die mittelalterlichen Pilger vorgegangen? Bekannt ist, dass sie sich an großen Handelsrouten orientierten, einige Orte an diesem Weg, die an alten Römerstraßen liegen, deuten darauf hin. Ebenso wahrscheinlich ist, dass sie Wege benutzten, welche die damaligen Klöster miteinander verbanden und dass sie, wo es möglich war, in Klöstern übernachteten.

In der St. Jakobskirche am Jakobsplatz in München lassen die Schulschwestern des Angerklosters seit 1983 eine alte Tradition wieder aufleben, die im 12. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hatte: Sie senden Pilger aus und geben ihnen den Reisesegen. Die Jakobskirche geht auf eine „alte Kapelle des hl. Jacobus in prato" (im Anger, einer Wiese außerhalb der Stadtmauer) zurück. Der Anger war Rastplatz auf dem Weg nach Santiago. Hier sammelten die Spanienpilger aus den zentral- und osteuropäischen Ländern neue Kräfte, bevor sie den weiten Weg zum großen Jakobsheiligtum nach Santiago fortsetzten. Santiago de Compostela gehört seit dem frühen Mittelalter neben Jerusalem und Rom zu den berühmtesten Wallfahrtsorten Europas.

Von diesem Kloster aus sind in jeweils einer bequemen Tagesetappe die Klöster Schäftlarn, Andechs, Wessobrunn, Rottenbuch und Steingaden zu erreichen. In der Fortführung über den Auerberg und Marktoberdorf liegen die nächsten großen Klöster in Kempten und Bregenz. Ab dem Bodensee mündet der Weg in die Schweizer Jakobswege ein. Da dieser Weg sehr schön ist, wussten ihn sicher auch viele mittelalterliche Pilger zu schätzen.

Der Münchner Jakobsweg fädelt ein in die immer bedeutender werdenden Pilgerwege in der Schweiz und in Frankreich und mündet schließlich in Spanien in dem „Seil", das den Pilger an sein Ziel nach Santiago de Compostela bringt. Der Pilger wird quasi in einer Zeitreise vom Barock über die Gotik zurück in die Romanik und von unserer heutigen Zeit an den Beginn des „christlichen Abendlandes" geführt.

Santiago war als Wallfahrtsort in der „Blüte" des Jakobswegs im 12. Jahrhundert sogar von größerer Bedeutung als Rom und Jerusalem. Im Gegensatz zu diesen wurde und wird Santiago vor allem von Fußpilgern besucht.

Im Mittelalter stellte der Jakobsweg einen Weg ins Ungewisse dar, vor dessen Aufbruch die Pilger ihre Familienangelegenheiten regelten und ihr Testament machten. Sie waren monate- oder jahrelang unterwegs, konnten sich auf ihrem Weg nach Westen häufig nur an der Sonne orientieren und an den vielen Legenden, die sich am Camino liegenden Orte ranken.

Heute ist alles leichter. Der Jakobsweg ist durchgängig markiert und die Orientierung bereitet (hoffentlich) keine Probleme mehr. Es sollte aber der Charakter eines individuellen Pilgerweges erhalten bleiben. Ganz einfach deshalb, dass die Menschen, die ihn gehen, etwas in unserer hektischen Zeit Seltenes erleben können, das gerade heute besonders wertvoll und wichtig wäre: Nämlich, zu sich selbst zu finden, über das eigene Leben nachdenken zu können und neue Kraft zu schöpfen. Aus dem Wissen und der unterwegs gewonnenen Erfahrung heraus, dass man ans gesteckte Ziel kommt, wenn man nur viele kleine Schritte in die richtige Richtung unternimmt.

Pilgern heißt, sich der Fremde auszusetzen, morgens nicht zu wissen, wo man abends schläft, auf die Gastfreundschaft fremder Menschen angewiesen zu sein, das Allein- und Ausgesetzt-sein auszuhalten, loszulassen vom bisher Gewohnten. Es heißt auch, sich darauf zu freuen, abends in den Pilgerherbergen Gedanken auszutauschen mit Gleichgesinnten und Gespräche über Gott und die Welt zu führen. Und ganz allmählich zu spüren, dass man seine Mitte findet und stärker wird, gerade weil man alles aus eigener Kraft meistern kann. Durch das einfache Leben unterwegs mit einem festen Ziel vor Augen zu begreifen, dass auch schwierige Ziele durch viele kleine Schritte erreichbar sind. Und aus diesem Wissen heraus die Freude und Befriedigung zu erfahren, die aus den Augen aller Jakobspilger bei der Ankunft in Santiago leuchten.

Nähere Informationen finden Sie unter www.pfaffen-winkel.de/de/pilgerwege

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